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Flughafen-Evakuierung

Javier Sáenz Garcés

Javier Sáenz Garcés

AERTEC / Airport Operations

Täglich passieren Millionen von Reisenden Flughäfen auf der ganzen Welt. Jeder auch nur einigermaßen wichtige Flughafen wird von Zehntausenden von Passagieren frequentiert, eine Zahl, die zu Stoßzeiten auch einmal die Hunderttausend erreichen kann. Mit einzukalkulieren gilt es dabei, dass Hunderttausende von Beschäftigten hinzukommen, die 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche in seinen Einrichtungen arbeiten.

Eine Notsituation, welche die Evakuierung so vieler Menschen erfordert, ist aus architektonischer, technischer und verwaltungstechnischer Sicht eine Herausforderung. Von der architektonischen Gestaltung bis hin zu den technischen Aspekten müssen die Fluchtwege und -ausgänge den verschiedenen Vorschriften entsprechen, die sich mit diesen eher technischen Aspekten befassen. Unter anderem müssen den IATA-Standards entsprechende Kapazitäten, bei einer Evakuierung zu überwindende Entfernungen und Höhen, Dimensionierung und Funktionalität von für die Evakuierung relevanten Elementen, Notbeleuchtungs- und Signalsystem, Alarmanlagen und vorbespielte Beschallungsanlagen, Sammel- oder Treffpunkte im Außenbereich und die Evakuierung von Personen mit eingeschränkter Mobilität angemessen sein, um den Erfolg der Evakuierung eines Flughafens zu gewährleisten. Mit anderen Worten: „Alles muss entsprechend gestaltet und funktionstüchtig sein“.

Angemessene Kriterien für Architektur, Technik und Management machen die Evakuierungspläne von Flughäfen mit jedem Tag detaillierter und effektiver.

In der Regel lassen sich zwei dieser drei Aspekte gut und effizient in Einklang bringen, indem die erforderlichen Evakuierungsmaßnahmen an die Kapazität in Bezug auf Passagier:innen, Benutzer:innen und Arbeiter:innen angepasst werden. Anders verhält es sich bei dem das Management betreffenden Aspekt der Evakuierung. Wenn wir von Evakuierungsmanagement sprechen, beziehen wir uns dabei auf drei Aspekte, die hierfür von Bedeutung sind, nämlich Koordination, Organisation und Kontrolle. Dies sind folglich die Aspekte, die vor und während des Evakuierungsprozesses selbst zum Tragen kommen. Das richtige Evakuierungsmanagement vermeidet zwei der häufigsten Risiken bei jeder Evakuierung, das Stampede-Phänomen und die Gefahr des Eingeschlossenwerdens

Das Stampede-Phänomen tritt auf, wenn sich Menschen zu Beginn einer Evakuierung fehlgeleitet zu einem Ausgang bewegen, entweder weil sie anderen folgen, basierend auf der unbewussten Annahme, der andere werde schon wissen, an welcher Stelle man nach draußen gelangt, oder weil der besagte Ausgang dem Zugangsweg zu dem Bereich entspricht, den sie jetzt verlassen möchten. Es ist etwas sehr Menschliches und Natürliches, dass wir versuchen, dort auch wieder hinauszugelangen, wo wir hereingekommen sind, aber in einer Notsituation ist dieser Ausgang möglicherweise nicht der geeignetste.

Die Gefahr des Eingeschlossenwerdens tritt auf, wenn die „vermeintlichen“ Evakuierungsausgänge nicht funktionsfähig sind, wodurch alle diejenigen eingeschlossen werden, die versuchen, dort hinauszugelangen. Die Menge der dort konzentrierten Menschen kann solche Ausmaße annehmen, dass kollektive Panik eine „unbewegliche Masse“ schafft, die nicht mehr zurückweichen kann. Aus all diesen Gründen ist die richtige Handhabung einer Evakuierung von entscheidender Bedeutung, um diese beiden Risikosituationen zu vermeiden, die manchmal die Hauptursache sind, wenn Opfer zu beklagen sind.

Eine Evakuierung muss vor deren Beginn koordiniert und organisiert werden. Das Auslösen von Evakuierungsalarm oder -sirene zu vermeiden, bevor die Evakuierung koordiniert und organisiert wurde, ist unerlässlich, um die Evakuierung von Personen, insbesondere von Personen, die mit den Flughafeneinrichtungen nicht vertraut sind, wie Passagier:innen und Benutzer:innen, korrekt durchzuführen.

Ebenso ist es von entscheidender Bedeutung, über ein Evakuierungsteam wie das Interne Notfallteam des Flughafens zu verfügen, dessen quantitative und qualitative Beschaffenheit zwei der Schlüsselfaktoren für den Erfolg der Evakuierung sind. Wenn wir von Quantität sprechen, meinen wir damit, dass die Evakuierungsteams eine ausreichende personelle Stärke aufweisen müssen, um auf eine derart hohe Anzahl von Reisenden reagieren zu können, wie sie zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Bereich des Flughafens passieren. Diese Evakuierungsteams müssen nicht nur aus Arbeitnehmer:innen am Flughafen selbst oder in dessen Abläufe integriertem Personal bestehen, wie z. B. den verschiedenen Passagierdiensten, staatliche Sicherheitskräfte und -einheiten, Sicherheitspersonal, Vertreter:innen der einzelnen Fluggesellschaften bei der Flugabfertigung und -abrechnung, Dienste für Personen mit Mobilitätseinschränkungen, sondern auch aus all jenen Bediensteten, die zu den als „Mieter“ bezeichneten Unternehmen gehören.

Die Einbeziehung aller Beschäftigten dieser Unternehmen ist weder ein dogmatisches Kriterium noch ein Ziel, das es aus betrieblicher und funktionaler Sicht anzustreben gilt. Somit stellt sich die Frage nach dem Auswahlkriterium. Die Kriterien für die Auswahl der Mitarbeitenden auf Seiten der Mieter, die Teil des im Flughafen integrierten Evakuierungsteams werden sollen, werden durch den Bedarf bestimmt, der sich aus dem eigenen Notfall- oder Selbstschutzplan des jeweiligen Mieters ergibt. Mit anderen Worten definiert je nach Aktivitätsprofil des Mieters dessen eigener Notfall- oder Selbstschutzplan die Notwendigkeit oder eben auch Nicht-Bereitstellung eines eigenen Evakuierungsteams. Dementsprechend muss das Evakuierungsteam des Mieters in die Evakuierungsprozesse des Flughafens insgesamt eingebunden werden, da die Evakuierung letztlich von den Flughafeneinrichtungen durchgeführt wird. Catering-Unternehmen, die nicht nur Verpflegung zum Mitnehmen anbieten, Unternehmen, die großflächige VIP-Lounges, Geschäfte oder Boutiquen betreiben und/oder Umkleidekabinen vorhalten, eine Firma, die den Parkplatz verwaltet oder Mietwagen offeriert: Das wären einige Beispiele für Mieterfirmen, die über Evakuierungsteams verfügen sollten, die in den Evakuierungsprozess des Flughafens integriert sind.

In Bezug auf die Qualität müssen die Evakuierungsteams, sowohl interne als auch integrierte, sehr gut informiert, ausgebildet und geschult sein, um die vom Flughafen festgelegten Evakuierungsverfahren angemessen durchführen zu können. Aspekte wie die Kontrolle einer etwaigen Massenpanik bis hin zum manuellen Öffnen aller Arten von Türen, die als Fluchtwege und -ausgänge fungieren, sind Prämissen von entscheidender Bedeutung. Diese Informationen und theoretischen/praktischen Schulungen müssen direkt am Flughafen bereitgestellt werden, um die Evakuierungsteams damit vertraut zu machen und zu schulen, indem sie ihre jeweiligen Evakuierungsübungen, gleich ob für eine teilweise oder eine vollständige Evakuierung, in den Terminals durchführen.

Ein weiterer Aspekt des Managements besteht darin, die zu befolgenden Evakuierungsrichtungen zu bestimmen, sei es zum „landseitigen“ oder zum „luftseitigen Bereich“. Die Evakuierung von Passagieren, die bereits von der Luftseite kommend die entsprechenden Sicherheitskontrollen zum Übergang auf die Bodenseite passiert haben, führt zu großen Unannehmlichkeiten, sollte sich der Notfall, der zur Evakuierung geführt hat, als Fehlalarm herausstellen.

Nicht zuletzt gilt es die Evakuierung von Arbeiter:innen zu beachten. Obwohl es sich um ein ebenso wichtiges Ziel handelt, beschränkt es sich darauf, sie über die vom Flughafen festgelegten Evakuierungsverfahren zu informieren, sobald die Aufforderung zur Evakuierung eines Teilbereichs oder des gesamten Flughafens mitgeteilt wird. Die Vertrautheit der Arbeiter:innen mit den Evakuierungswegen und -ausgängen sowie den vom Flughafen festgelegten Evakuierungsverfahren ist eine Anforderung, die in die Verantwortung eines jeden einzelnen von ihnen fällt.

Glücklicherweise verfügt die überwiegende Mehrheit der Flughäfen auf der ganzen Welt über angemessene und aktuell gehaltene Evakuierungspläne, sodass sich die Millionen von Menschen, die diese täglich passieren, sicher sein können, dass auf jeden Vorfall zuverlässig reagiert wird.

 

Passengers at the airport terminal

 

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