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Der ADS-B-Transponder und die Verfolgung von Privatjets

Manuel T. Rodríguez Jiménez

Manuel T. Rodríguez Jiménez

AERTEC / Airport Planning & Design

Der ADS-B-Transponder (Automatic Dependent Surveillance-Broadcast) ist ein Funkfrequenzgerät, das in Flugzeugen eingebaut wird, damit Fluglotsen die Position und den Kurs Luftfahrtzeugen in Echtzeit verfolgen können. Zu diesem Zweck werden Funksignale über ein Netzwerk terrestrischer Stationen und geostationärer Satelliten übermittelt.

Der ADS-B-Transponder ist eine wichtige Technologie zur Gewährleistung der Sicherheit und Effizienz des weltweiten Flugverkehrs.

ADS-B verwendet für diese Aufgabe eine Vielzahl von Informationen und Signalen. Beispiele für diese Daten sind:

  • Flugzeug-ID: Jedem ADS-B-Transponder wird eine einmalige Identifikationsnummer zugeordnet, um die Flugzeuge der Übertragungen identifizieren zu können.
  • Höhe: Das Gerät übermittelt die Flughöhe in Echtzeit, sodass Fluglotsen mithilfe dieser Informationen Zusammenstöße mit anderen Luftfahrtzeugen in unterschiedlichen Flughöhen vermeiden können.
  • Position: Das Gerät übermittelt außerdem die Flugposition in Echtzeit. Dazu wird ein Globales Positionsbestimmungssystem (GPS) verwendet, das die Position des Luftfahrzeugs am Boden mithilfe dieser Satellitensignale bestimmt.
  • Kurs: Neben allen oben genannten Daten wird auch der Kurs übertragen. Dies erfolgt über einen Sensor, der die Richtung und die Geschwindigkeit des Flugzeugs misst.

Dafür werden spezielle Funksignale verwendet, die ausschließlich für diesen Zweck vorgesehen sind. Dieser Funkbereich wird als Flugfunkbereich (ARS) bezeichnet und befindet sich im Frequenzbereich von 1090 Megahertz (MHz). Es handelt sich um einen hochfrequenten (HF) Funkbereich, der hauptsächlich für die Kommunikation zwischen Luftfahrzeugen und Fluglotsen verwendet wird. Dieser wird in diesem Funkbereich neben dem ADS-B-Transponder auch für andere Kommunikationszwecke im Luftverkehr genutzt, zum Beispiel für die Übermittlung von Navigationsdaten und die Luftverkehrskontrolle.

An dieser Stelle muss berücksichtigt werden, dass dieser Flugfunkbereich ausschließlich für den Flugverkehr vorgesehen ist und nicht für andere Anwendungen genutzt werden darf. Dadurch sollen Störungen durch andere Funksysteme verhindert und die Sicherheit und Effizienz des Flugfunks gewährleistet werden.

Da mit dieser Technologie die Position und der Kurs von Flugzeugen in Echtzeit ermittelt werden kann, stellt sie eine effektive Methode dar, um Zusammenstöße zu vermeiden und die Sicherheit zu gewährleisten. Sie wird zudem zur Verbesserung der Effizienz des Luftverkehrs verwendet, da mit dieser Technologie die Flugrouten optimiert und der Flugverkehr insgesamt reduziert werden können. Dadurch werden der Treibstoffverbrauch und die Treibhausgasemissionen reduziert, um eine nachhaltigere Umweltpolitik zu unterstützen.

Können die Signale von ADS-B-Transpondern von zu Hause aus verfolgt werden?

Ja, die Signale von ADS-B-Transpondern können mithilfe eines legal erhältlichen digitalen USB-Funkempfängers und einer speziellen Software von zu Hause verfolgt werden. Der Funkempfänger muss mit einem PC und einer Außenantenne mit gutem Empfang verbunden werden. Anschließend können mithilfe der Software die Flugzeuge angezeigt und verfolgt werden, die in der Reichweite unseres Heimgeräts Signale übertragen.

Außerdem gibt es Websites und Mobilanwendungen, die eine Echtzeitverfolgung von Flugzeugen mithilfe von ADS-B-Transpondersignalen aus der ganzen Welt anbieten. Diese Dienste verfügen in der Regel über interaktive Landkarten, auf denen die Position und der Kurs von Luftfahrtzeugen in Echtzeit sowie zusätzliche Informationen wie Flughöhe und Geschwindigkeit des Flugzeugs angezeigt werden. Einige dieser Dienste bieten zudem Warnmeldungen und Benachrichtigungen in Echtzeit, wenn Luftfahrtzeuge in der Nähe oder Notsituationen erkannt werden. Beispiele: https://globe.adsbexchange.com/ oder https://opensky-network.org/network/explorer sowie die allgemein bekannte Website https://www.flightradar24.com/

Diese Möglichkeit zur Einsicht der Informationen von kommerziellen und privaten Flügen hat in der letzten Zeit heftige Kontroversen ausgelöst. Gegenstand dieser Kontroversen war in einigen Fällen die Verfolgung der Transpondersignale der Privatjets von Multimillionären. Einige Personen haben argumentiert, dass die Verfolgung der Signale dieser Flugzeuge eine Verletzung der Datenschutzrechte dieser Multimillionäre und ihrer Gäste darstellen und sie potenziellen Sicherheitsrisiken aussetzen können.

Andererseits handelt es sich bei diesen Daten um öffentliche Informationen für die Überwachung der Nutzung von Privatflugzeugen und zur Durchsetzung von luftrechtlichen und sicherheitsrelevanten Bestimmungen.

Auf jeden Fall muss berücksichtigt werden, dass die Nachverfolgung dieser Signale eine gängige und notwendige Praxis zur Gewährleistung der Flugsicherheit und zur Vermeidung von Zusammenstößen ist. Dennoch muss auch die Privatsphäre und Sicherheit der Passagiere und der Besatzung an Bord berücksichtigt werden, wenn solche Informationen auf unzulässige Weise veröffentlicht werden.

Seit einiger Zeit ist eine Änderung der Datenschutzgesetze bezüglich dieser Navigationsdaten im Gespräch. Vor diesem Hintergrund hat beispielsweise der Vertreter von Saudi-Arabien auf der 41. ICAO-Versammlung im August 2022 das sogenannte „Agenda Item 31: Aviation Safety and Air Navigation Standardization. AUTOMATIC DEPENDENT SURVEILLANCE-BROADCAST SECURITY AND PRIVACY CONCERNS AND POSSIBLE SOLUTIONS” vorgestellt. In diesem Dokument wird die Besorgnis dargelegt, die die Echtzeitverfolgung von bestimmten Flügen auf Internetplattformen hervorruft. Darin wird argumentiert, dass die erwähnten ADS-B-Daten allgemein verfügbar sind und weder regionale noch internationale Mechanismen zur Kontrolle und Beschränkung des Zugriffs auf „private und vertrauliche“ Flüge vorhanden sind. In dem Dokument wird der ICAO nahegelegt, eine führende Position bei der Entwicklung „neuer Bestimmungen“ zur Einführung von Maßnahmen zu übernehmen, um die „Gefahren Risiken und Bedrohungen“ in Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Flugdaten zu minimieren, darunter die Verschlüsselung von Kommunikationen und die Anonymisierung ihrer Inhalte.

Die ADS-B-Daten werden in unverschlüsseltem Format übertragen, das mit „primitiven“ Empfangsgeräten empfangen und verarbeitet werden kann. Zudem bieten immer mehr Websites Flug-Tracker mit präzisen Informationen zum Betrieb der Luftfahrtzeuge an. Diese Informationen werden ergänzt durch Angaben zu Ursprung, Ziel, Flugplan und -route sowie Kennzeichen oder Fotos der Flugzeuge. Diese ADS-B-Transponder können nicht einfach deaktiviert werden, zumal sie normalerweise an Antikollisionstransponder und -systeme gekoppelt sind. Aus diesem Grund werden in dem Dokument andere Möglichkeiten zur Einschränkung der allgemeinen Verfügbarkeit dieser Informationen empfohlen. Es könnten Vereinbarungen mit kommerziellen Plattformen oder Internetanbietern getroffen werden, um die Daten der Echtzeitverfolgung von Flügen und Luftfahrzeugen zu verbergen, allerdings stelle diese Filterung laut besagtem Dokument nur eine „partielle Lösung“ dar. Die Nachrichten haben eine Rasterung von 112 Bit, in die auch die von der ICAO sämtlichen Luftfahrtzeugen zugewiesene „statische“ 24-Bit Adresse fällt und die laut diesem Dokument „problemlos“ zur Identifizierung von Flugzeugen verwendet werden könnte. Der Datenschutz in Bezug auf diese Flugzeuge könnte allerdings mit einer dynamischen 24-Bit-Adressierung sichergestellt werden. In den USA gibt es diese dynamische Zuteilung bereits, sie ist jedoch kompliziert zu beantragen und nicht einfach zu verwalten.

Eine Verschlüsselung nach militärischem Vorbild wäre eine weitere Option, mit der die Verarbeitung der Daten ausschliesslich autorisierten Parteien vorbehalten wäre und die Verbreitung der kryptographischen Schlüssel eingeschränkt werden könnte. Dafür müssten in Zukunft jedoch nicht nur andere Transponder in die Flugzeuge eingebaut werden, sondern auch die gesamte Ausstattung am Boden müsste überholt werden, obwohl sie reibungslos funktioniert und auf dem aktuellen Stand der Technik sowie einfach zu entwickeln und instandzuhalten ist.

Der ADS-B-Transponder ist dennoch eine wichtige Technologie zur Gewährleistung der Sicherheit und Effizienz des weltweiten Flugverkehrs. Außerdem ermöglicht er die Optimierung aller Informationen, die mit anderen Systemen wie dem Primär- und Sekundärradar oder der Multilateration gesammelt werden.

 

Transponders

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